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13.07.2017 Donnerstag Sonniges Wetter und kalte Ostsee

Trockenübung oder Einsatzbereitschaft – Michael Rückels und Torsten Groenewold haben schon mal sich und das Rettungsbrett in Position gebracht.

Die DLRG-Flagge signalisiert Einsatzbereitschaft: vom Ausguck der Wachstation haben die Wachgänger den Strand im Blick.

Es ist eine Tradition bei der DLRG Heiligenhaus – der Wasserrettungsdienst an der Küste von Kühlungsborn in Mecklenburg-Vorpommern. Im 27. Jahr ist wieder die „alte Wachcrew“ mit Torsten Groenewold, Michael May und Michael Rückels dort an den Strand zur Wache gefahren. „Wir hatten mal ins Auge gefaßt, woanders Wachdienst zu machen,“ so Michael Rückels, aber letztendlich haben sie sich wieder für Kühlungsborn entschieden.“Denn hier wissen wir, was wir haben. Was dazu geführt hat, daß die 3 Heiligenhauser gesamt 334 Wachstunden am Strand im Einsatz waren.

Und trotz des Gedankens, mit der Wache in Kühlungsborn langsam aufzuhören, hat es sie wieder nach Kühlungsborn gezogen. Aber auch mal privat ohne „rote Einsatzklamotten“ dort Urlaub zu machen, kann für sie reizvoll sein.

Nun, jedenfalls war Anfang Juni in der Vorsaison wieder die Zeit für den WRD (Wasserrettungsdienst) in Kühlungsborn. Die Sonne schien, die Luft hatte angenehme 20° C. Nur das Ostseewasser war etwas zu frisch: bekanntgegebene 16° C., aber gefühlte 10°C. Zu Beginn der Wache waren mit den Heiligenhausern dann gesamt 9 Wasserretter im Einsatz. Somit waren die beiden Hauptwachen 3 und 6 und die Nebenwachen 2 an der Seebrücke in Kühlungsborn-Ost und 5 an den Volleyballfeldern in Kühlungsborn-West besetzt. Und so mußten die 3 Heiligenhauser dann auch gerade diesen letzten Turm (sprich Nr. 5) besetzen. „Eine Woche mit 3 Mann auf einer Wachstation mit einer Größe von ca. 2,4 x 3,5 m ist dann doch etwas beengt,“ so Torsten Groenewold, der eigentlich als Bootsführer einsetzbar ist. 2 Wachgänger reichen aus, um den Turm einsatzbereit zu halten. Der 3. Mann hat dann Bereitschaft, in der er Verpflegung beschafft, sich vom „harten“ Wasserrettungsdienst erholen muß, oder sonstige Aktivitäten machen kann. Die erste Woche war dann ein Gemisch aus durchwachsenem Wetter mit der Tendenz auf sonnig-warm, soweit es weiter gegen das Wochenende ging. Und da war es dann auch am Strand direkt voller, die Badegäste stürmten ihre Strandkörbe, oder bauten sich aus Strandmuschel, Sonnenschirm und Windschutz eine windgeschützte „Unterkunft“, möglichst nahe zur Wasserkante hin. Denn trotz Sonnenschein und warmen Temperaturen wehte doch aus nördlichen Richtungen ein frisches Lüftchen teilweise mit Windstärken von 3 - 5, sodaß die Badegäste nur bedingt das äußerst frische Wasser bis Höhe Knie, ganz Wagemutige dann doch bis zum Hals zur Erfrischung aufsuchten.

Und da am Ende der ersten Einsatzwoche Rettungsschwimmer abreisten und einige neue gekommen sind, wurden die Heiligenhauser dann von der Station 5 auf die Hauptwachen umgelegt. Michael Rückels, für die zweite Woche zum Wachleiter befördert, und Torsten Groenewold wechselten nach K’born-Ost zur Hauptwache Turm 3, während Michael May in Kühlungsborn-West den Turm 6 übernahm. Nun kamen aus dem Raum Freiburg 3 Jugendliche, alle 16 Jahre alt, die mit auf die restlichen Türme verteilt werden mußten. Es muß mindestens 1 Erwachsener über 18 Jahre als Turmverantwortlicher auf der Station sein. So wurde dann jeden Tag rotiert, damit die Jugendlichen mal auf jedem Turm gewesen sind. Und so konnten sie auch einmal auf dem Rettungsboot AK41 von Turm 3 auf eine K-fahrt (für Kontrollfahrt) Richtung Ost zum Yachthafen oder Richtung West bis Ende vom Campingplatz und FKK-Strand mitfahren.

An einem Abend nach Dienstende war für die gesamte Wachmannschaft dann fachliche Weiterbildung angesagt. Man begab sich in das Kino nahe dem Campingplatz West und sah sich den neuen  Film „Baywatch“ an. Der Film sollte neue fachlich-professionelle Einblicke in die Wasserrettung bringen, die die Rettungsschwimmer dann in Kühlungsborn direkt umsetzen könnten. Allerdings mußten die Wachgänger einsehen, daß die gezeigten Szenen und Einsätze für den realen Wachdienst nicht ganz übernommen werden können – schlicht gesagt: hier klaffen Realität und Film sehr weit auseinander. Also werden die Wachgänger bei ihren erlernten Fähigkeiten bleiben, die sie bisher erfolgreich angewendet haben. Retten geht auch ohne Waschbrettbauch und Muskelbergen.

Und der Dienst ging seinen Gang: Einsätze mußten die Lebensretter nicht leisten, es geschah zum Glück nichts. „Ein Wachdienst ohne Notfälle ist immer der beste Dienst,“ so Wachleiter Michael Rückels. Kleine Erste-Hilfe-Leistungen wie Pflaster ausgeben und dergl. kommen immer mal vor. „Der Strand ist meistens schlimmer als das Wasser. Kreislaufversagen im Strandkorb oder Wunden, weil einer in etwas Scharfes getreten ist, kommt mehr vor als ein Wassereinsatz,“ so Rückels nachdenklich. Die Wasserretter sind vorrangig  für die Sicherheit im Wasser zuständig, aber sie  müssen auch das Leben vor und hinter ihrem Wachturm – sprich auf dem Strand und der Strandpromenade – mit im Blick haben.

Eine Woche, nachdem die Heiligenhauser dann wieder zu Hause waren, beginnt dann in Kühlungsborn die Hauptsaison, die Anzahl der Rettungsschwimmer bildet  so eine Mannschaftsstärke, daß alle Rettungstürme entlang dem Kühlungsborner Strand besetzt werden können.

Und so werden auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Rettungsschwimmer an den Küsten von Nord- und Ostsee sowie im Binnenland über die Sicherheit am und im Wasser wachen. 2016 sind trotz ihrer Präsenz 537 Menschen ertrunken, teilweise in Gewässern, die nicht unter der Aufsicht der DLRG Rettungsschwimmer standen. Doch 1037 mal konnten DLRG-Lebensretter Menschen aus einer Lebensgefahr retten, wobei  dann 39 Helfer selber in Lebensgefahr gekommen sind. Rund 36 000 aus über insgesamt 2.000 Gliederungen sind im Wasserrettungsdienst der DLRG aktiv und bundesweit für die Sicherheit der Badegäste im Einsatz.

Von: M.M.

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